Der Jakobsweg - seine Spiritualität und seine Wirkung

SPANIEN: NORDSPANIEN

Pilgerreise

Seit jeher ist der Jakobsweg für Pilger ein Abenteuer in das Miteinander. Ein Pilger stellt sich nicht nur jeden Tag neuen Menschen und unerwarteten Situationen. „Der Weg der großen Sehnsucht“ lehrt ihn, immer in Bewegung zu bleiben, aber sich Zeit dafür zu nehmen, sich auf sich selbst zu verlassen, seinen individuellen Rhythmus zu finden und Anderen Raum zu geben. Auf diesem Fundament wächst seine Fähigkeit, Brücken zwischen Menschen und Ansichten zu bauen.
Diese Reise lässt Sie in die besondere Magie des Jakobsweges eintauchen. Sie erfahren die spezifische Spiritualität des Pilgers und verfolgen die Phasen seiner inneren Entwicklung. Sie erleben die Bedeutung der unterschiedlichen Landschaften für den Pilger. Und Sie lernen die Symbolik der Romanik und der Gotik kennen. Dabei handelt es sich um eine Art von Schrift, die uns vom Sinn des Lebens erzählt und davon, wie gutes Leben gelingt.
Beim Reisetermin im Juli verbringen Sie den Jakobustag in Santiago de Compostela.

Auf einen Blick

  • Auf dem „Weg der großen Sehnsucht“ zum Grab des Apostels Jakobus
  • Möglichkeit zu kleinen Wanderungen (Wer nicht wandert, fährt mit dem Bus)
  • Europäischer Kulturweg mit herausragenden Bauten aus romanischer und gotischer Zeit

Reiseverlauf

1. Tag: Aufbruch in die Welt der Pilger
Linienflug nach Bilbao. Dort lassen wir am Guggenheim-Museum die moderne Formensprache Frank Gehrys auf uns wirken. Auf der Fahrt nach Pamplona Einführung in die Welt der Pilger einst und heute. Hotelbezug in Pamplona für zwei Nächte. Spaziergang durch den Stadtkern und Besuch des Café Iruña. In diesem Jugendstilcafe verbrachte Ernest Hemingway seine Abende in Pamplona (ca. 160 km).

2. Tag: Den Himmel mit den Händen greifen
Auf dem Rundgang durch Pamplona begegnen wir den Pilgern bei San Cernin, streifen durch das Frankenviertel, passieren die Kathedrale, begegnen Ignatius von Loyola. Danach Auffahrt in die Pyrenäen zum Ibañeta-Pass. Von diesem hieß es, er sei so hoch, dass man den Himmel mit den Händen berühren könne. Zu Fuß geht es zum Kloster von Roncesvalles, dem Ort der Rolandsschlacht. Beeindruckend ist auch das alte Königskloster San Salvador de Leyre mit vorromanischer Krypta und symbolgeschmücktem romanischen Portal, das in seiner Qualität von jenem in Sangüesa noch übertroffen wird. (ca. 200 km)

3. Tag: Brücken am Weg und die Symbolik der Zahlen
Die kleine oktogonale Kirche von Eunate (Außenbesichtigung) ist einer der bekanntesten Orte des Jakobsweges. Puente la Reina, eine für den Jakobsweg typische Straßensiedlung, verlassen wir über die berühmteste Brücke des Weges. Stadt und Brücke wurden im 11. Jh. eigens für die Pilger errichtet. Wir durchqueren die baskische Wehrsiedlung Cirauqui und begegnen am Kirchenportal der Kabbala und dem Neuplatonismus. Auch Estella, wurde für die Pilger gegründet und besticht durch exquisite romanische Symbolik am Portal der Kirche San Miguel und am Königspalast. Nun kennen Sie bereits einige der Symbolsysteme, die uns befähigen, Bilder ganz anders zu verstehen. Hotelbezug für eine Nacht in Logroño. An der Jakobskirche erwartet uns die überdimensionale Darstellung des „Santiago Matamoros“, der unweit der Stadt erschienen sein soll. (ca. 100 km)

4. Tag: Durch das sanfte Hügelland der Rioja
Nun geht es durch das berühmte Weinbaugebiet der Rioja. Wir schlagen einen kleinen Haken und fahren nach Laguardia. Dort befindet sich das einzige verbliebene gotische Portal in Originalbemalung an der Kirche Santa Maria de los Reyes (falls keine Hochzeit stattfindet ist die Besichtigung möglich). In Nájera besichtigen wir Kirche und Kreuzgang von Santa Maria la Real. Berühmt ist das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada, wo wir auf den hl. Dominicus in Gestalt des Lehrenden treffen. Von der Kapelle von Valdefuentes wandern wir (ca. 1,5 Std.) nach San Juan de Ortega, einem Kloster, wo den Pilgern jeden Abend Knoblauchsuppe ausgegeben wird. In Burgos beziehen wir für zwei Nächte das Hotel. (ca. 140 km)

5. Tag: Gemeißelter Stein erzählt wie das Leben gelingt
Burgos war im Mittelalter die Hauptstadt der vereinigten Königreiche Kastilien und Leon. Wir erleben die wunderbare Kathedrale und lernen den spanischen Nationalhelden El Cid kennen (11. Jh.). Im Kartäuserkloster Miraflores begegnet uns der Baustil der Renaissance mit seiner so ganz anderen Formensprache. Ein Abstecher bringt uns nach Süden. Zunächst nach Covarrubias, der Wiege Kastiliens. Im Kloster Santo Domingo de Silos lehren uns die Reliefs des Kreuzgangs, was wesentlich ist für ein gelungenes Leben und wie man es erreichen kann. Mittlerweile sind wir in der Lage, die verborgene Botschaft zu erforschen, die der Bildhauer des 11. Jh. nicht nur gebildeten Zeitgenossen, sondern auch uns vermitteln wollte. Die Spuren der Saurier bei Quintanilla de las Viñas beschließen den Tag. (ca. 130 km)

6. Tag: Die Erfahrung der Leere
Bis hierher ist eine Pilgerschaft angenehm und abwechslungsreich. Nun aber kommt die nahezu leere und psychisch herausfordernde Hochebene der Meseta. Die Pilger nennen sie „Wüste“ oder die „Strecke des mystischen Todes“. Wir halten am alten Antoniterkloster von San Antón und fahren nach Castrojeriz. Dort wandern wir am Pilgerweg durch die Ortschaft. Am Eingang nach Fromista besichtigen wir die Schleusenanlagen des Canal de Castilia. In Fromista wurden die Grundlagen für das Völkerrecht erdacht. Die dramatischen Kampfszenen auf den Kapitellen der Kirche San Martin (11. Jh.) weisen auf die inneren Kämpfe hin, welche der Pilger zu bestehen hat. Nach einem Spaziergang durch Carión de los Condes erwandern wir hautnah die Erfahrung der Leere in der Meseta (ca. 1,5 Std). Nach einer Erholungspause in Calzadilla de la Cueza geht es weiter nach Sahagún, wo wir dem mozarabischen Baustil begegnen. Außenbesichtigung der romanischen Backsteinkirchen. Am Ende der Fahrt wird die Landschaft wieder grün und wir erreichen León, wo wir zwei Nächte bleiben. (ca. 200 km)

7. Tag: Von äußerer Zerrissenheit und innerer Ruhe
Im Morgenlicht besichtigen wir die lichtdurchflutete Kathedrale von Leon und erfahren die in der Architektur und den Buntglasfenstern des Monumentes verborgene Botschaft. Nach einem Spaziergang durch die Altstadt gelangen wir zur Basilika von San Isidoro, deren Fresken aus dem 11. Jh. uns den westgotischen Ritus näherbringen. Das Kloster von San Marcos bildet dazu ein Kontrastprogramm aus der Renaissance. Der Rest des Tages steht Ihnen für eigene Entdeckungen zur Verfügung.

8. Tag: Wo man das alte Leben niederlegt
Bereits nach kurzer Fahrt erreichen wir zur Kirche Virgen del Camino aus den 1960er Jahren. Wir überblicken nun Baustile und Skulpturen aus eintausend Jahren und können den Weg betrachten, den das europäische Denken gegangen ist. In Hospital de Orbigo überqueren wir die Brücke aus dem 13. Jh. Die Landschaft wird nun wieder abwechslungsreicher. In Astorga bestaunen wir die spätgotische Kathedrale, die sich von der Hochgotik ihrer Schwester in Leon deutlich unterscheidet. Dann steigt der Weg an durch die Maragateria. Von Foncebadón wandern wir (ca. 1 Std.) zum Cruz de Ferro hinauf, wo die Pilger einen Stein niederlegen, als Symbol für ihr bisheriges Leben. Hotelbezug in Ponferrada für eine Nacht. (ca. 110 km)

9. Tag: Die Veränderung tritt ein
Die Veränderung, die der Pilger durchmacht, wird immer deutlicher. Er beginnt anders auf die Welt zu blicken. Beziehungen werden ihm immer wichtiger, während die Bedeutung von Dingen für ihn geringer wird. Er beginnt zu verstehen, dass Beziehungen zwischen Menschen und Dingen das sind, was die Welt im Innersten zusammenhält. Diese Erfahrung geht tief und wird ihn nie wieder verlassen. Wir durchqueren Cacabelos, wo der kleine Jesus mit dem hl. Anton eine Partie Karten spielt, dann kommen wir Villafranca del Bierzo, wo eine letzte Bergstrecke beginnt. In Herrerias beginnen wir den Aufstieg (ca. 2,5 Std. steil bergauf) auf den Cebreiro, wo Pallozas, keltische Rundbauten auf uns warten, wie man sie von Asterix kennt. Über Samos und Sarria fahren wir nach Portomarin und erfahren die Geschichte einer Wehrkirche, welche dem ursprünglichen Erscheinungsbild der Kathedrale von Santiago ähnelt. Schließlich erreichen wir Santiago de Compostela und beziehen das Hotel für drei Nächte. Am Abend besteht die Möglichkeit, die Feierlichkeiten und das Feuerwerk zum Jakobustag zu verfolgen. (ca. 250 km)

10. Tag: Angekommen und freigesprochen (Sonntag 25.07.2021, Jakobustag)
Santiago de Compostela, der berühmteste Pilgerort Europas, erwartet uns. Der sitzende Jakobus am Portico de las Glorias nimmt die Haltung eines Handwerksmeisters ein und spricht den Pilger nun als Gesellen frei. Der Pilger hat erfahren, worum es im Leben geht und kann hinaus gehen in die Welt um selbst zu lehren. Am Vormittag besichtigen wir die Kathedrale und spazieren durch die ganz in Granit gehaltene Altstadt mit ihren Kirchen, Klöstern, Hospizen und Gassen; Möglichkeit zur Teilnahme am Pilgergottesdienst in der Kathedrale (vorbehaltlich evtl. Corona-Beschränkungen).

11. Tag: Das Ende ist nur der Ort der Umkehr
Heute fahren wir in die kleine Stadt Padrón, wo nach der Überlieferung die Gebeine des Jakobus angelandet sind. Der Poller, an dem das Boot festgemacht gewesen sein soll wird in der Kirche gezeigt. Weiter geht es an die Küste nach Noia und über Muros an die galicische Atlantikküste zum Cabo Finisterre, dem „Ende der Welt". Hier endet die PiIgerreise. Der Pilger kehrt als Veränderter in seine Gegenwart zurück. Es wird lange dauern, bis er alles verarbeitet hat. Er ist nun Teil einer Gemeinschaft, die zwar keine Organisation, aber ein gemeinsames Bewusstsein besitzt. Über die Jahrhunderte hat dieses Bewusstsein für die Entstehung wichtiger Gedanken und Grundlagen des europäischen Gedankens gesorgt. Es machte den Jakobsweg zum geistigen Rückgrat Europas. Zurück nach Santiago de Compostela bleibt Zeit zur freien Verfügung. (ca. 200 km)

12. Tag: Abschied und neuer Anfang
Fahrt zum Flughafen von Porto (ca. 230 km): Rückflug nach Wien.